Wenn der Ort, an dem ein Produkt reift, “in Harmonie mit den Naturkräften steht”, besitzt dieses bereits alle Eigenschaften eines “ausgezeichneten” Produktes.
Wichtig sind der Respekt für die Natur, die uns umgibt und für die Menschen, die dort leben und arbeiten. Dies sind seit jeher die Leitmotive unserer Familie seit sie auf dem Weingut Tenuta di Ghizzano lebt und arbeitet; diese Prinzipien wurden von Generation zu Generation weitergegeben.
Unser Weg zu einer “natürlichen” Landwirtschaft:
Seit 2003 haben wir damit begonnen, die Prinzipien einer “natürlichen” Landwirtschaft umzusetzen. Das bedeutet, dass wir keinerlei organischen Dünger, Unkraut- oder Insektenvertilgungsmittel bzw. Pflanzenschutzmittel verwenden. Wir versorgen den Boden mit Gründüngersamen und anderen nährstoffreichen Samen, um ihm stickstoffhaltige Substanzen (wie z.B. Hafer und Süßklee) zuzuführen. Seit 2006 arbeiten wir biodynamisch: Drei- bis viermal pro Jahr - im Herbst und im Frühjahr - behandeln wir den Boden mit 500 und mit 501 - in der Vorblüte- und Nachblütezeit und jedes Mal, wenn es uns nötig erscheint. Da wir keine Unkrautvernichtungsmittel verwenden, bearbeiten wir den Boden, um das Unkraut in Schach zu halten und ihn mit Sauerstoff zu versorgen. Meine Kollegen Michele Franci und Dr. Roberto Righi und ich haben Kurse in biodynamischer Landwirtschaft belegt und sind Mitglieder bei der Vereinigung “AGRICOLTURA VIVENTE” (“LEBENDIGE LANDWIRTSCHAFT”). Mindestens zweimal pro Jahr ist der französische Agronom PIERRE MASSON unser Gast, um uns zu unterstützen und uns mit Ratschlägen zu unserer biodynamischen Landwirtschaft zu unterstützen. 2008 haben wir das offizielle Zertifikat BIOLOGISCHER ANBAU des Verbands zur Zertifizierung „Suolo e Salute“ („Boden und Gesundheit“) verliehen bekommen - nicht nur für die Weinberge, sondern auch für die Olivenhaine und das Saatgut für den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb.
Weinbau: Reberziehung und Ertragsreduzierung
Unsere Pflanzen werden zum Großteil mit dem Erziehungssystem “Cordone speronato” angebaut. Beim Rebschnitt im Winter werden vier Augen belassen, zwischen den Drähten säen wir ca. 30 verschiedene Samen, um eine stickstoffhaltige Substanz zu erhalten, damit der Boden besser belüftet wird. Im Spätfrühling beginnen wir mit dem Ausgeizen und später, im Sommer, entfernen wir einige weibliche Blätter, um Luft für das Blattwerk zu schaffen. Wir stutzen nicht, sondern binden die Triebe an den fünften Draht. Wir benutzen nur Kupfer und Schwefel in geringer Konzentration, um Pilze und den Bacillus Turingensis in den Griff zu bekommen und wenn die Pflanzen von Motten befallen werden. Wir entfernen Trauben (grüne Ernte) nur dann, wenn dies für die Pflanze von Vorteil ist, d.h. wenn das Gleichgewicht zwischen Traube und Blattwerk gestört ist. Je nach Weinjahr und Traubensorte entscheiden wir, wann und wieviele Trauben von jeder Pflanze entfernt werden müssen. Wenn dies unserer Meinung nach unnötig ist, ENTFERNEN WIR KEINE TRAUBEN.
Die Weinernte
Normalerweise werden die Merlot-Trauben zuerst geerntet: in den ersten Septembertagen. Danach folgen Sangiovese, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Als letzte wird die Petit Verdot-Traube gelesen. Um den genauen Beginn der Weinernte zu bestimmen, probieren wir die Trauben und lassen einige nach den Kriterien Zucker-, PH-Wert und Säure analysieren. Anschließend entscheiden wir, mit welcher Traubensorte bzw. auf welchem Weinberg wir mit der Ernte beginnen. Selbstverständlich erfolgt die Ernte manuell und die Trauben werden in kleinen, ca. 20 kg Trauben fassenden Kisten mit Luftlöchern gesammelt.
Sobald die Trauben im Weinkeller ankommen, werden sie selektiert und auf ihre vollständige Gesundheit und Unversehrtheit hin überprüft. Erst nach dieser sorgfältigen Auslese werden sie entrappt und dann in kleine 200 kg fassende Stahlwagen gefüllt, wo sie mit den Füssen gepresst werden, ohne vorher durch eine Pumpe geschleust zu werden. Für die Gärung benutzen wir nur natürliche Hefen - und keine Zuchthefen.
Der Most kommt ohne Einsatz von Pumpen in die Holzfässer. Die Gärung dauert 7 bis 12 Tage, je nach Traubensorte und insbesondere je nach Jahrgang. Wir verkosten den Most jeden Morgen und entscheiden dann die nächsten Schritte. Je nach Verfassung und Art der Trauben wird entschieden, in welchem Behälter sie vergoren werden: in Stahl-, Zementtanks oder in 30 hl-Holzfässern. Die Maische wird manuell umgewälzt; und um den Most von den nicht erwünschten Trubstoffen zu trennen, wird er durch die natürliche Schwerkraft schonend geklärt (Délestage).
Um eine sanfte Remontage (Umpumpen) zu gewährleisten, kommen die Pumpen - wenn überhaupt - nur kurz zum Einsatz, damit der Most so selten wie möglich mit den Pumpen in Berührung kommt. Unsere Stahltanks sind mit einem Kühlsystem ausgestattet, das ab einer Temperatur von über 30°C in Betrieb genommen wird. All unsere Weine vollziehen eine malolaktische Gärung, die bei unseren Spitzenweinen Il Veneroso und Nambrot im Holz stattfindet.
Die Reifung im Holz
Für die Reifung benutzen wir 225 l, 500 l und 30 hl große Eichenholzfässer über einen Zeitraum von 16 bis 18 Monaten - je nach Jahrgang. Das Holz dient als INSTRUMENT, damit sich der Wein im Laufe der Zeit entwickeln und reifen kann, ohne dabei das Tannin des Holzes zu NUTZEN: Denn wir möchten auf keinen Fall, dass der Holzgeschmack, den Fruchtgeschmack des Weines übertönt. Unser Ziel bei der Vinifizierung des Veneroso und des Nambrot ist es, Weine herzustellen, die lange Jahre haltbar sind und ein ausgewogenes Gleichgewicht von Frucht/ Säure und Holz besitzen. Vor einigen Jahren haben wir uns entschieden, für den Veneroso, insbesondere auch für den Sangiovese, 500 l große Holzfässer anstatt Barriques zu verwenden. Auf jeden Fall soll wenig neues Holz zum Ensatz kommen (nur ¼). Für den Nambrot verwenden wir kleine Holzfässer, wobei wir den Gebrauch von neuem Holz auf 30% zurückgeschraubt haben.




